Es gibt immer weniger Hausärzte

In Deutschland wird das Krankwerden immer schwieriger: Über die Jahre hat sich ein immer größerer Hausärztemangel eingestellt. Ein paar ältere Ärzte halten ihre Praxis zwar erfolgreich und haben nach wie vor viel zu tun, aber die nachfolgenden Generationen bemühen sich eher um einen Arbeitsplatz in einer Fachklinik als um eine spätere Niederlassung. Das liegt nicht daran, dass weniger Menschen krank werden, sondern im Gegenteil – die Menschen werden immer früher und immer häufiger krank, die Ärztehaben immer mehr zu tun und werden trotzdem nicht besser bezahlt. Betroffene niedergelassene Ärzte bezeichnen sich selbst als „Sparschwein des Gesundheitswesens“.

Studien zeigen, dass Hausärzte zu der Berufsgruppe gehören, die mit am häufigsten krank wird und von Depressionen und Krankheiten wie Bore-Out und Burn-Out betroffen ist. Grund dafür ist einerseits die kaum zu schaffende Anzahl an Patienten, die täglich die Praxis stürmen, sobald sie krank werden. Andererseits wird der Alltag vom Hausarzt oft als sehr eintönig beschrieben, vor allem in Zeiten von Grippewellen, in denen viele Menschen krank werden und an den gleichen Symptomen leiden. Die Untersuchungen wiederholen sich ein ums andere Mal, ähnlich wie in einem Callcenter werden stets die gleichen Hinweise gegeben und Zeit für ein persönliches Gespräch mit dem Patienten bleibt kaum. Trotzdem muss die Konzentration hoch sein, denn nach der 30. Grippeerkrankung könnte hinter dem 31. Fall doch eine andere Grunderkrankung stecken. Retten können sich oft nur die, die neben ihrer hausärztlichen Praxis noch Spezialgebiete haben, in denen sie parallel arbeiten. Dort warten hin und wieder die fachlichen Herausforderungen, die im Berufsalltag fehlen.

Kein Wunder also, dass die jungen Ärzte kaum noch Lust haben, auf eine Niederlassung hinzuarbeiten. In Baden-Württemberg waren Anfang des Jahres 2012 über 200 Stellen von Hausärzten unbesetzt, in den nächsten Jahren gehen etwa ein Drittel der bislang noch arbeitenden Hausärzte in den Ruhestand. Wer einen Hausarzt in Stuttgart sucht, muss also demnächst wohl mit noch längeren Wartezeiten rechnen. Besser sollte man natürlich gar nicht erst krank werden. Dramatisch ist: Patienten, die durch eine Grippe krank werden, werden zwar meist von alleine wieder gesund, doch durch den Ärztemangel herrscht auch eine schlechtere Vorsorge, sodass in den letzten Jahren die Sterberaten an Krebs gestiegen sind. Einige Initiativen, unter anderem die „Perspektive Hausarzt“ sollen dafür sorgen, dass das Krankwerden demnächst kein großes Problem mehr sein soll. Die „Perspektive Hausarzt“ soll dafür sorgen, dass sich das Image des Hausarztes wieder verbessert und von den Nachfolgern wieder als reizvoller wahrgenommen wird.

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